Alles oder nichts

Letztens habe ich mich mal wieder Reflektiert, weil ich mich trotz Umstellung total schlapp fühle. Dabei fiel mir aber auf, das ich quasi die Esssucht von jetzt auf gleich aus eigener Kraft aufgegeben habe. Bei kräftigen Menschen geht es nicht nur darum, das sie einfach mal weniger essen sollen und ein bisschen mehr Sport treiben sollten. Ganz sicher liegt das auch in den Genen. Es ist doch aber so, das es oft seelische Ursachen hat. Bei allen liegt in irgend einer Weise eine Sucht nach Essen vor. Bei einem Teil davon ist das sogar sehr gravierend. Binge Eating Disorder heißt der die das gute. Jetzt nochmal zurück zu „bei dir muss es einfach nur mal Klick machen im Kopf“.

Adipositas ist eine Krankheit. Deswegen bringt ein Klick eben einfach nicht das, was man sich wünscht. Bei vielen liegt ein schweres Übergewicht vor. Bei mir waren das 100 kg Übergewicht. Sollte man mal die Arschbacken zusammenkneifen und die Motivation aufbringen ist das dennoch ein Prozess der Jahre dauert. Man hat sich die Pfunde ja auch nicht in 2 Wochen angefressen, sondern in Jahren. Abnehmen ist ein langjähriger Prozess, wo viele einfach den halt, den Willen mit der Zeit dabei verlieren. Meist nimmt man dann wieder zu, wenn man nicht dran bleibt. Kommt schon, gebt zu, das es nicht einfach ist, einfach mal die Gewohnheit zu ändern, vor allem wenn sie seelisch so arg verankert ist. Bei mir war das so.

Ich bin schon immer übergewichtig. Seit der Grundschule besuchte ich etliche Kuren und machte einige Therapien. Nie hab ich es geschafft. Ich bin immer an mir selbst gescheitert. Zuletzt hatte ich eine Binge Eating Disorder und habe jegliche Stimmung der Emotion mit Essen kompensiert. Am Ende war es einfach nur noch eine Qual. Klar war es geil alles in sich reinzustopfen. Es war schön. Aber es war auch belastend. Ich konnte nicht aufhören zu essen. Es ging nicht. Ich musste essen. Das klingt für einige sicher total komisch. Aber das ist wie für den Alkoholiker der Alkohol.

Da ich das Gewicht seit Kind auf mit mir rumgetragen habe, entwickelte sich bei mir alles, was man mit Übergewicht bekommen kann. Metabolisches Syndrom, Schlafapnoe und Depression um nur mal das krasseste zu nennen. Ich konnte das Leben nicht mehr genießen. Ich kämpfte mich so durch. Das alles begleitete mich über Jahre. Und dann entschied ich mich für die Magenoperation. Ich war ohnehin schon Herzinfarkt gefährdet. Ich entschied mich für die Gesundheit. Ohne diese Operation hätte ich es nicht geschafft. Ich sag das jetzt so. Körperlich und seelisch war ich am Ende. Ich wollte so nicht mehr leben und hätte wahrscheinlich auch nicht alt werden können mit den ganzen Krankheiten.

Seit der Operation kämpfe ich. Es ist nicht einfach. Mein Magen fasst jetzt nur noch 50 ml. Zum vergleich, ein Normaler Magen fasst 1,5 Liter und kann sich wohl bis zu 4 Liter dehnen. Ich bin mir aber nicht ganz sicher. 4 Liter wären schon viel. Aber ich habe ja auch dauerhaft gegessen… irgendwo muss das ja in den Magen passen. Wo ich noch vor ein paar Wochen viel gegessen habe, geht jetzt fast nichts mehr rein. Heute eine kleine Tomate mit Mozzarella, ein Stück glutenfreie Pizza und ein wenig Risotto mit Salat. Nicht die beste Zusammenstellung. Aber die Mengen sind echt gering. Für mich ist das eine rießen Umstellung. Der Wandel dauerte 2 Monate. Für mich ändert das alles. Die seelische Befriedigung findet nicht mehr statt. Wie ich das jetzt kompensiere? Garnicht… klingt ein wenig verzweifelt. Das ist es auch ein wenig. Ich habe kaum noch Hunger. Mein Geschmack ist ein völlig anderer. Essen tangiert mich nicht mehr. Genau aus dem Grund verfasste ich diesen Text. Weil es mich völlig überwältigt. Ich kann es fast noch nicht glauben. So eine Operation liegt lange in den Sternen bis man sie von der Krankenkasse genehmigt bekommt. Und auf einmal ist sie da. Zack. So kurz das Wort ist, ist auch der Weg. Nun Ernähre ich mich sehr bewusst. Das klingt jetzt vielleicht komisch bei meiner heutigen Zusammenstellung und bei meiner bisherigen Ernährungsweise. Ich bin momentan noch etwas am ausprobieren. Eigentlich wünsche ich mir einen ungefähren Ernährungsplan. Jeder kennt es. Normalerweise hat man so seine Ernährung jeden Tag. Lässt sich ja alles einstellen.

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Author: merten