Résumé nach 6 Monaten

Ich habe die 120 kg geknackt. Mein zweites Ziel. Mein erstes Ziel lag bei 150 kg. Man soll ja kleine Schritte gehen. 200 Tage sind nun rum. Vor 6 Monaten ungefähr, begann meine Reise. Ich habe eine Magenoperation durchführen lassen. Ich habe meiner Esssucht von jetzt auf gleich den Kampf angesagt und habe mit der Flüssigphase die Operationsphase eingeleitet. In der Flüssigphase nimmt man pürierte Suppen und Joghurt mit Früchten ein. Das erklärt schon fast der Name. Ich habe in dieser Phase schon angefangen komplett auf Zucker zu verzichten. Es war wirklich nicht einfach. Nicht nur der Kopf hat sich gewehrt. Es war wirklich unangenehm, weil ich unsäglichen Hunger hatte. Alles rebellierte. Meine Psyche drehte durch. Ich wusste aber, das ich das wirklich will. Das war anders als sonst. Auch jetzt noch, habe ich gedanklich mit der Esssucht zu kämpfen. Aber es ist besser geworden. Nicht nur, weil ich jetzt nicht mehr so viel essen kann. 

Ich hatte viele Krankheiten angesammelt. Ich zähle mal bewusst nur Krankheiten der Fettleibigkeit auf. Da gab es Adipositas grad 3, das Übergewicht bei Namen, eine Fettstoffwechselstörung, Reflux, was auch so viel heißt wie Sodbrennen, Arterielle Hypertonie, eine Fettleber, das Metabolisches Syndrom, was 4 verschiedene Biester beinhaltet, ein schweres Schlafapnoesyndrom und die Binger Eating Disorder, die Esssucht. Das Übergewicht kann viele Krankheiten mit sich bringen. Das kostet ganz schön Kraft. Jede für sich, zerrt am Gemüt. Ich kann nun mit stolz sagen, das ich fast alles schon weitestgehend hinter mir habe. Und das alles innerhalb von 6 Monaten. Ich hätte nun am wenigsten damit gerechnet. Mich setzen Psychische Krankheiten noch ganz schön zu. Aber das Körperliche Empfinden ist Klasse. Das entlastet mich sehr. Es war alles nur noch so schwerfällig. 

Ich habe keine Schmerzen mehr in den Gelenken. Das war zu meinen Hochzeiten ein grauenhaftes Gefühl. Ich musste viele Schmerzmittel zu mir nehmen, die ich jetzt, getrost weglassen kann. Endlich kann ich wieder unbeschwert laufen. Mit 195 kg war jeder Gang unangenehm. Ich kann in den 3. Stock laufen, ohne das ich an jedem Treppenabsatz eine Pause einlegen muss, weil ich keine Luft mehr bekomme. Ich kann endlich putzen, ohne das ich mich tot schwitze. Ich kann mir wieder die Schuhe zubinden, ohne Atemnot zu bekommen, weil mir das Fett die Lunge und das Herz abdrückt. Da überlegte ich gleich, was ich da unten noch so alles zu erledigen hatte. Ich habe keine Schwächeanfälle/Entzugserscheinungen mehr. Das war grauenhaft. Ich war ständig am Boden, ständig auf der Suche nach Essen. Kein Essen war genug. Rum stressen, weil Essen jetzt wichtiger ist als alles andere. Mein Bluthochdruck spielt nicht mehr verrückt. Es war einfach nicht mehr auszuhalten. Schlimmer geht immer. Das stimmt. Man kann auch vieles aushalten. Aber wie man das dann aushält, ist eine andere Frage. Hauptsache man versucht etwas zu verändern/verbessern. Man muss es nicht so hinnehmen wie es ist. Es gibt nicht für alles eine Lösung. Das sehe ich zumindest so. Manchmal kann man Schmerzen oder sonstiges auch nur mildern. Dennoch gibt es einiges, was man verbessern kann, wenn man es will. Veränderung zulassen. Oft weis man garnicht, das es einem besser gehen könnte, weil man sich so an den Umstand gewöhnt hat. Auch wenn man denkt, es geht nichts mehr. Wer am Boden liegt, braucht vielleicht jemand, der ihm wieder auf hilft. Habt den Mut und nimmt die helfende Hand an.

Back to topic. Ich habe fast nichts mehr von alledem. Ich wiege aktuell 116,4 kg. 66 kg weniger als vor 6 Monaten. Letztes Jahr lag mein Höchstgewicht bei 195 kg. Das ist eine Abnahme von 78,6 kg zum letzten Jahr. Ich weis wie schwer der Kampf ist. Ich habe viele Kämpfe verloren. Dank der Operation kann ich nicht mehr so viel essen. Man könnte sich trotzdem noch falsch ernähren. Die Operation alleine, verzaubert nichts. Aber ich will es diesmal wirklich schaffen. Es war keine leichte Zeit. Egal welchen Erfolg man im Leben hat, nichts passiert einfach nur so, nichts passiert ganz einfach, nichts fällt einem in den Schoß. Ich hätte mir natürlich gewünscht, es ohne Operation zu schaffen. Es war immer mein Wunsch. Ich war nie stark genug. Aber manchmal muss man akzeptieren, das man krank ist und man ohne Hilfe nicht weiter kommt. 

Wie ist das mit dem Essen nach der Operation?

Anfangs hatte ich etwas Angst. Ich konnte nicht mal ein Glas Wasser auf einmal trinken. Nudeln, Reis und co. nur in ganz kleinen Mengen. 4-5 Nüdelchen oder 2-3 Tortelloni oder eine kleine Kartoffel oder 2 Stück Pizza oder ein Löffel Reis. Nur, um dem mal ein Gesicht zu geben. Mehr war nicht drin. So sah das im allgemeinen aus. Ich selbst war beeindruckt von den kleinen Portionen. Vorher sah das gewiss anders aus. Mittlerweile hat sich das etwas entspannt. Ich achte sehr akribisch auf meine Ernährung. Bin sehr diszipliniert. Manchmal sogar zu sehr. Jetzt sehen meine Portionen schon etwas größer aus. Meist aber nur zwei bis drei Mahlzeiten am Tag. Wenn das Essen normal würzig ist, ist mir das schon fast zu würzig. Klingt komisch. Ich habe nach dem Essen einen extremen Brand. Mein Geschmack hat sich total verändert seitdem ich so achtsam mit Zucker umgehe.

Kein Kaffee mehr. Kein Alkohol mehr. Nur noch ganz wenig Milch. Achtsamkeit bei Weizen und Zucker. Keine Süßigkeiten mehr. Flexitarische Ernährung. Nur noch ganz selten Fleisch. Ganz ungezwungen aber. Das klingt im ersten Moment etwas streng und anstrengend. Aber man kann sich an alles gewöhnen, wenn man es will. Wichtig ist mir immer nur, das alles nicht all zu streng zu sehen. Ich verbiete mir jetzt nichts. Ich lasse vieles bewusst weg. Es hat sich einiges verändert. Über die Zeit. Zum Glück hat sich das mit den Mengen etwas entspannt. Meist esse ich nur noch 2-3 Mahlzeiten am Tag. Dafür sehr Achtsam. Habt die Kraft, auch wenn sie euch schon verlassen hat. Dann ist Hilfe holen angesagt. Lasst es zu. Seid nicht stark und macht euch damit kaputt.

Ich würde keinem die Operation als erste Lösung präsentieren. Das ist wirklich kein Spaziergang. Auch wenn das wohl die Lösung ist, bei Adipositas. Denn Adipositas ist eine Krankheit. Letztendlich liegt die Entscheidung bei jedem einzelnen. Aber für mich war es ein langer Weg, die Operation überhaupt zuzulassen. Es ist nicht einfach die Operation genehmigt zu bekommen. Denn es wird ein gesundes Organ verkleinert oder entfernt. Die Krankenkassen prüfen das bis auf’s kleinste. Nur, wenn es wirklich keine andere Option mehr gibt, wenn man wirklich schon viel versucht hat, wenn alle Kriterien erfüllt sind, dann werden die Kosten übernommen. Die Operation ist auch nicht günstig. Ich hatte am Ende das Glück, das mir meine Krankenkasse nach langem, endlich die Operation zugesagt hat. Ich habe wohl alle Punkte erfüllt. Ich hatte Respekt davor. Aber das sollte man davor auch haben, denke ich. That’s It!

Author: merten

1 thought on “Résumé nach 6 Monaten

  1. Lieber Merten,
    Ich bin riesig stolz auf Dich, dass Du die Entscheidung getroffen, den Schalter umgelegt hast! Und jetzt damit so positive Verbesserungen an Deiner Gesundheit / Deinem Körper erlebst.
    Weiterhin viel Erfolg und Kraft!
    Dein Papa

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