Diagnosen Desaster

Arzthopping ist anstrengend. Empathielose Ärzte gibt es wie Sand am Meer. Wenn die Psyche abzuschmieren droht, kann es passieren, das die eigene Gesundheit am Rad dreht. Da kann einiges aus dem Ruder laufen. Aber auch so kann es sein, das die Gesundheit nicht so mitspielt. Oftmals auch genetisch bedingt. Wenn in der früheren Vorgeschichte, Alkohol in der Schwangerschaft eine Rolle spielte. Da gibt es viele Ursachen. Wie dem auch sei.  Ich bin ja immer so, das ich nicht alles einfach so hinnehme. Wenn es mir nicht gut geht, suche ich nach den Ursachen. Es gibt Krankheiten, bei denen ist es nicht ratsam, sie einfach so auszuhalten. Warum sollte man das auch? Arzthopping ist kein einfaches unterfangen. Man wartet ab und zu ziemlich lange auf einen Termin. Auch die lange Wartezeit im Wartezimmer gilt es zu überbrücken. Mit Diagnosen kenne ich mich also aus und habe diesbezüglich schon einiges mit gemacht. Hier mein Beitrag dazu.

Ichhabe mir Jahrelang selbst etwas vorgemacht. Ich habe immer gedacht, es wäre alles schön und habe mir immer eine schöne Welt vorgestellt, war mir sicher das alles gut ist und habe gedacht, das es mich ja garnicht so schlimm getroffen hat. „Es ist alles super“. Anderen geht es viel schlechter. Dann brach plötzlich die tolle Welt zusammen. In mir drin. Die fantastische Welt war nicht mehr die, die es die ganze Zeit gewesen zu sein scheinte. Wie konnte ich mir so sicher sein, obwohl ich wusste, das nicht alles toll war. In mir drin war noch nie alles gut. Wer stellt sich keine wunderbare Welt vor, in der alles wie geschmiert läuft? Vor allem dann, wenn man mit sich und der Welt, garnicht zurecht kommt. Was ich mir wohl vorgemacht habe. Die Welt kann doch aber auch in Ordnung sein, oder?

Ach Gott, ich hatte eine tolle Kindheit. Auch wenn der Text allen anschein nach, eine schlechte Kindheit beschreibt. So war das aber garnicht. Bloß in mir drin. Ich bin mir sicher, das ich in der Schule, viel mehr Leistung hätte bringen können. Mich verstopfen jedoch so viele Ängste. In mir drin steckt soviel Energie, die sich nie ganz entfaltet hat. Die Gesamtschulzeit war der Horror für mich. Mobbing ist einfach total scheiße. Ich fühlte mich dauerhaft beängstigt. Meine Gedanken waren dauerhaft verschleiert. Vielleicht wäre all das, für jemand anderen, nicht schlimm gewesen. Ich bin aber ich. Und ich habe vieles einfach nicht ertragen. Zumal ich eben hochsensibel bin. Man neigt dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Das ist aber nicht gut. Jeder hat ein anderes Empfinden. 

Ich hatte in der Kindheit viel emotionalen Stress, durch meine Sensibilität. Hatte Zuckungen im Arm, entzündete Hautstellen, starke Kopfschmerzen und weitere psychische Reaktionen. Aktion Reaktion. Vor allem war ich schon immer etwas kräftiger. In meiner Kindheit, wurde damit sicherlich oft nicht richtig umgegangen. Die Reaktion der anderen darauf, war schmerzhaft. Keine Anerkennung, weniger Desinteresse, sondern mehr Hänseleien, die mich heute noch psychisch prägen. Daraus entstand meine Soziale Angststörung. Ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut. Zugleich dachte ich, ich müsste anders sein. Aber was ist anders? Wer gibt uns vor, wer wir sein sollen? Doch wir uns selber. Das ist wichtig. Unser selbst bewusst sein. Wenn die Psyche durchdreht, wenn komische Dinge passieren, ist das immer eine Reaktion auf nahestehende Personen oder Umstände die uns bedrücken und erdrücken. Ich habe heute teilweise noch, eine verschobene Wahrnehmung, meinerseits. 

Ich finde es grauenhaft, wie Psychologen und Ärzte teilweise mit Erkrankungen umgehen. Oft fühlt man sich garnicht gut aufgehoben, mißverstanden oder gar ignoriert. Ich besuchte Kliniken, weil ich es musste. Völlig falsch aufgehoben, ausgegrenzt und mißverstanden. Ja, nicht jede Klinik ist super. In der Kindheit macht man eben das mit, was man in dieser Zeit, für richtig erachtet. Man will immer nur das beste für sich. Was daraus wird, kann man vorher nie sagen.

Es ist nicht einfach in einer Gesellschaft zu bestehen, die derart oberflächlich ist. Gerade bei dem überflüssigen Konsum, der heute herrscht. Man hat das Gefühl nie gut genug zu sein. Immer ist da der Teufel, der dir alles schlecht redet. Nie bist du gut genug. Machst du was, dann bist du was. Machst du nichts, dann bist du nichts. In der Schule wird man über das Arbeitsverhalten benotet. Das zerstört dir unter Umständen einiges, wenn du zurückhaltend bist und im Unterricht garnicht positiv auffällst. Ich war immer sehr zurückhaltend, weil ich nicht auffallen wollte. Das tat ich ja schon unbewusst. Mein Notenspiegel tangierte das negativ. Das System finde ich total schlecht. Heutzutage herrscht ständiger Leistungsdruck. Man macht zu viele Aktivitäten im gleichen Zeitraum. Zudem ist man immer ersetzbar. Alles ist im schnellen Wandel. Aber es muss nicht immer alles so schnell gehen. Nein. Warum denn? Wer sagt uns denn, das wir uns selbst so geiseln müssen? Wer gibt den Takt an? Das müssen wir können. Nur wir können das. Wer denn sonst? Das muss man für sich schaffen. Das wäre so wichtig.

Kommen wir mal auf ärztliche/gesundheitliche Diagnosen zu sprechen. Man sollte sich nie zu schnell den voreiligen Diagnosen der Ärzte beugen, sondern lieber einmal mehr hinterfragen. Am Ende schenkst du dem zu viel glauben, welcher dich auf einen Irrweg schickt, sei denn, der Arzt schickt dich mit einer unzufriedenen Entscheidung weiter zum nächsten oder speißt dich mit einer unzufriedenen Entscheidung ab und du gehst völlig gefrustet nach Hause. Ärzte sind auch nur Menschen und gewiss oft nicht Halbgötter in weiß. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, das mich Ärzte viel zu schnell weggeschickt haben, weil sie sich selbst mit der Diagnose nicht auskennen, weil sie dafür nicht ausgebildet sind oder sich schlichtweg nur mit Diagnosen abgeben und nicht auf das Wohl des Patienten bedacht sind. Das große Ganze sehen wünscht man sich. Ich hatte auch schon das Gefühl, sobald es schwierig wird und man vielleicht einmal mehr untersucht, die Ärzte überfordert waren und mich deswegen lieber los werden wollten. Das Budget versteht sich. Ärzte werden oft unter Druck gesetzt, weil die Mittel eben nur begrenzt sind. Was ein System. Vor allem gibt es Ärzte, die ziemlich schnell Tabletten verschreiben, die garnicht sein müssten. Ich sehe darin eh nichts sinnvolles, denn die Pharmaindustrie will nicht, das du gesund wirst. Das schlimme am Krank sein ist, das du zu schnell, nicht mehr für den Arbeitsmarkt interessant bist. Du wirst aussortiert, wenn du nicht mehr funktionierst. Der Arzt schreibt dich nicht mehr Krank, für das Arbeitsamt bist du aber nicht einsetzbar und schon stehst du Finanziell in der Luft. Völlig abgewertet und stehen gelassen, obwohl du immer geschufftet hast. Dafür gibt es keine Lösung. Die Politiker sind ja auch gesund. Am System muss man nichts ändern. Dann muss man wohl auf die Erwerbsminderungsrente warten. Nur woher soll man wissen, welchen Weg man gehen kann, wenn man ihn noch nie gegangen ist? Im Zweifelsfall stehst du ohne Mittel da. Man wird heutzutage so schnell obdachlos. Die Aufklärung sollte doch genau in dieser Situation da sein. Dann, wenn man es so gut gebrauchen kann. Krank sein, sucht man sich nicht unbedingt aus.

Durch meine Diagnosen, fühlte ich mich schon immer irgendwie anders, was mich dazu bewegte, es toll zu finden, anders zu sein. Aber dessen bewusst zu sein, lässt einen fragen, was denn so anders ist. Es klingt so schwierig, weil es das ist. Es fühlt sich gut an, zu seinen Macken zu stehen. Ich habe Depressionen und ich finde es wichtig, darüber zu reden. Man kann doch offen zu seinen Krankheiten und sich selber sein. Alles andere bringt dich in verzwickte Situationen, verstopften Gefühlskanälen und im schlimmsten Fall zu Krankheiten. Und daran kann man ersticken. Suizid ist keine Seltenheit, die daraus resultiert. Ich finde es so schade, wenn es doch eine Lösung geben kann. Leider verschließen sich viele völlig gegen den offenen Umgang mit der Krankheit. Manchmal ist es eben auch nicht einfach, das Leben. Es ist dennoch nie zu spät, etwas zu ändern oder daran zu arbeiten. Auch ich war an diesem Punkt. Oft denkt man, das alles viel zu spät sei, doch jetzt bin ich stolz darauf, das ich es geschafft habe, umzudenken. Mit kleinen Schritten, kommt man auch zum Ziel. Man sollte sensibel mit sich umgehen. Ich bin mir sicher, das in jedem verborgen die Kraft liegt, das Ruder herum zu reißen. Vertraue dir mehr, das auch du es schaffen kannst.

In Sachen Diagnosen erlebt man immer wieder erstaunliches. Letztens lernte ich wieder jemanden kennen, dem es genauso erging, wie mir. Das ist kein Einzelfall. In dem Fall ging es um die Diagnose Diabetes. Blutzucker. Das kam mir bekannt vor. Die Diagnose wurde gestellt, aber es wurde nichts unternommen, von ärztlicher Seite. Man wird einfach so entlassen. Die Werte sind nicht in Ordnung, aber ändern muss man auch nichts. Diagnosen stellen ist ja auch einfach. Das ist wie, wenn du Essen bestellst, aber kein Essen bekommst. Dann wirst du im Krankenhaus gefragt, ob du nichts dagegen unternommen hast, ob nichts angeordnet wurde. Nein. Unbehandelt zurück gelassen. Das dies Ärzte einfach so für sich zulassen können ist krass. Ärzte sind doch auch nur Menschen. Ich denke sie wissen es nicht mal, weil sie inkompetent und empathielos sind. Ich könnte das nicht. Warum sagen sie nicht ehrlich, wenn sie einen darüber nicht aufklären können. Man kann doch auch auf andere Kollegen verweisen. Dafür sind sich wohl einige zu fein.

Hinterfrage Diagnosen lieber einmal mehr. Hole dir lieber zwei oder drei Meinungen ein. Das war bisher nie verkehrt. Bei Fachärzten braucht man Geduld. Oft wartet man lange auf einen Termin. Aber letztendlich macht man das nur für sich. Ich habe die Zeit bekommen, die ich brauche. Dafür bin ich unendlich dankbar. Man hat doch nur das eine Leben. Und wenn das auf dem Spiel steht, gibt es nichts wichtigeres wie das eigene Leben. Lass dir nicht rein reden, lass dich nicht stressen. Nur du, bestimmst dein eigenes Tempo. Dein Arbeitgeber, wird dir kein Stück Lebenszeit zurück geben. Man bekommt wohl auch selten mal ein Danke, für seine Arbeit. Man muss garnichts, außer sich selbst helfen. Vergesst den Druck.

Ich habe alles hinterfragt, aber meine Vergangenheit noch lange nicht aufgearbeitet. Was man so alles auf seinem Weg lernt ist, unbezahlbar. Alles positive und alles negative hat mich stärker gemacht. Vielleicht nicht in den Momenten. Dennoch muss ich lernen, stolz auf mich zu sein, für das, was ich erreicht habe. Das hat auch viel mit Selbstliebe zu tun. Und davon habe ich viel zu wenig. Learning by doing. Alles kommt, wenn es kommt. Ich habe sehr vieles versäumt, was ich jetzt aber auch nicht alles auf einmal nachholen kann.  

Author: merten